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RatgeberNicht nur ein Problem für den Zahnarzt
Die fatalen Folgen schlechter Zähne für die Gesundheit
Dass es einen wesentlichen Zusammenhang zwischen Zähnen und Hygiene gibt, ist schon seit langem bekannt. So herrschte etwa im 17. Jahrhundert in Europa die Lehrmeinung vor, dass es für den Menschen keinen gefährlicheren Infektionsherd gebe als das Gebiss. Das hatte für den Sonnenkönig Ludwig XIV. die Konsequenz, dass ihm seine Ärzte nicht nur sämtliche Zähne zunächst des Ober- und später auch des Unterkiefers herauszogen, sondern auch Teile des Gaumens herausrissen. Glücklicherweise hat die Heilkunst derart brachiale „therapeutische“ Methoden inzwischen hinter sich gelassen. Nichtsdestoweniger geht gerade aus neueren medizinischen Forschungen hervor, welch grundlegende Bedeutung die Kau-, Mahl- und Beißwerkzeuge für unseren allgemeinen Gesundheitszustand haben und wie eng andererseits die Wechselwirkungen zwischen Zahn- und Allgemeinbefinden sind.
Nicht allein Zahnärzte warnen vor den dramatischen Folgen
einer unzureichenden Zahnpflege. Denn die Bakterien, die von schlecht gereinigten Zähnen auf den Plan gerufen werden, ätzen nicht nur Löcher in den Zahn und graben sich ins Zahnfleisch ein, sie üben darüber hinaus auch einen zerstörerischen Einfluss auf den gesamten Organismus aus. So haben Menschen mit einer Parodontitis erwiesenermaßen ein doppelt so hohes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Bezeichnenderweise wurden in den Gefäßverschlüssen von Infarkt- und Schlaganfallpatienten dieselben Mikroorganismen entdeckt, die sonst im entzündeten Zahnfleisch angesiedelt sind. Auch in der Schwangerschaft kann ein schlechter Zustand der Zähne möglicherweise negative Folgen mit sich bringen. Wie neuere Studien belegen, steigt die Gefahr einer Frühgeburt bei Frauen mit Parodontitis um das Siebenfache. Ein zusätzlicher Verdacht, der sich in den letzten Jahren immer mehr erhärtet, ist eine gewisse Wechselbeziehung zwischen Zahnerkrankungen und Diabetes. Denn Zähne von Diabetikern sind nachgewiesenermaßen etwa doppelt so häufig von Parodontitis und Karies befallen. Andererseits scheint sich eine Parodontitis ungünstig auf die Blutzuckereinstellung auszuwirken. Erfreulicherweise kann der Insulinbedarf umgekehrt durch eine erfolgreiche parodontale Behandlung reduziert werden.
Paradontitis

Links: Bakterienhaltiger Zahnbelag mit beginnender Entzündung
Rechts: Taschenbildung durch den lang andauernden Abbauprozess
Erhöhtes Risiko bei Rauchern
Ein besonders verhängnisvoller Zusammenhang lässt sich zwischen Rauchen und Gebisserkrankungen aufzeigen. So scheinen sich die gefährlichen Mikroben in Mündern von Rauchern besonders wohl zu fühlen, was dazu führt, dass Raucher ein dreimal so hohes Risiko für Zahnfleischentzündungen tragen wie Nichtraucher. Der Grund, so wird vermutet, liegt darin, dass der vermehrte Zahnbelag die Raucherzähne anfälliger macht. Andererseits sind die Chancen für eine Wundheilung und eine Parodontitisbehandlung bei Rauchern erheblich verschlechtert. Das dürfte wohl damit zusammenhängen, dass der Zigarettenqualm die Durchblutung und Abwehrkraft des Zahnfleischs verringert.
Tipps zur Zahnpflege
- Putzen Sie Ihre Zähne zweimal täglich jeweils drei Minuten lang mit Hilfe einer weichen oder mittelharten Zahnbürste. Arbeiten Sie dabei mit Hilfe kreisender Bewegungen von links nach rechts. Wenn Sie säurehaltige Speisen wie z. B. Wein, Obst oder Saft verzehrt haben, warten Sie mit dem Reinigen ca. eine halbe Stunde.
- Sie sollten einmal am Tag Zahnseide oder ein Interdentalbürstchen benutzen, um die Zahnzwischenräume zu säubern.
- Gehen Sie zweimal im Jahr zum Zahnarzt und lassen Sie regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung durchführen.
- Wichtig ist eine zahngesunde Ernährung. Sie sollte kauaktiv, vitaminreich und vollwertig sein und nicht zu viel Zucker enthalten. Achten Sie darauf, dass zwischen den Mahlzeiten genügend lange Pausen liegen, damit sich der pH-Wert im Mund zwischenzeitlich neutralisieren kann. Liegt dieser zu lange im sauren Bereich, kann die Säure den Zahnschmelz angreifen.
Gefahr bei Stress
Ein weiterer Faktor, der sich ungünstig auf Zähne und Zahnfleisch auswirkt, ist Stress. Das hat zum einen damit zu tun, dass viele Menschen unbewusst dazu neigen, in belastenden Situationen ihre Kaumuskulatur anzuspannen. Sie pressen die Zähne zusammen oder knirschen mit ihnen, was im Laufe der Zeit zu abgeschliffenen Kauflächen, Zahnfleischrückgang und Rissen im Zahnschmelz führen kann. Besonders nachts, wenn diese Vorgänge unkontrolliert ablaufen, pressen manche ihre Zähne so fest aufeinander, dass sie morgens mit Kopfschmerzen aufwachen. Hier lässt sich mit einer so genannten Aufbissschiene und entspannungsfördernden Übungen Abhilfe erzielen. Andererseits hat Stress auch eine immunschwächende Wirkung und führt einen Zustand herbei, in dem sich in der Mundflora schädliche Bakterien, die sich ohnehin ständig dort aufhalten, leichter vermehren können. Zusätzlich gefährdet sind Stressgeplagte dadurch, dass sie häufig dazu neigen, ihre Zähne seltener oder weniger gründlich zu reinigen.
Der hohe Wert fachgerechter Zahnpflege
Wie verhängnisvoll sich schlecht gepflegte Zähne tatsächlich auf unsere Gesundheit auswirken, kann man sich anschaulich klar machen, wenn man sich die folgenden Dimensionen vor Augen hält: Menschen mit ausgeprägter Parodontitis haben eine 8 x 9 Zentimeter große Wundfläche im Mund. Diese ist von mehreren Milliarden zum Teil schädlicher Mikroorganismen besiedelt, die bei jeder Belastung des entzündeten Bereiches, sei es auch nur beim Kauen eines Brötchens, in den Blutstrom gespült werden. Bevor es so weit kommt – gehen wir verantwortungsvoll und pfleglich mit unseren Zähnen um, unser Körper wird es uns danken.